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Volle Kraft zur Energiewende

Heinz Lotz, Mitglied des Hessischen Landtags

... über den Ausstieg aus Atom- und Kohlekraft und den Vorrang für Erneuerbare Energien

Wenn man so etwas sagt, bekommt man hier und da vorgeworfen, auch alle Kohlekraftwerke sofort abstellen zu wollen. Falsch! Richtig ist, dass ich fordere, keine weiteren Kohlekraftwerke zu bauen. Deshalb bin ich gegen Block 6 des Kohlekraftwerks Staudinger. Dieser eignet sich nicht als Brückentechnologie. Soviel vorneweg.

Der bundesweite Anteil der Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien lag 2010 bei 17 Prozent. Hessen schafft gerade mal 6 Prozent. Eine klare Mehrheit der Hessen ist jedoch nachweisbar für Erneuerbare Energien. Im bundesweiten Vergleich liegt Hessen abgeschlagen auf dem 15. Platz.

In Sachen Stromproduktion schaffen wir die Wende nur dezentral mit regionalen Anbietern. Die Stadtwerke bzw. die kommunalen Stromversorger haben bereits angekündigt, dass sie Ersatz für alle 17 Atomkraftwerke schaffen wollen. Bis 2020 wollen sie ihre Stromproduktion verdoppeln. Voraussetzung hierfür ist ein geregelter Atomausstieg, damit sich die zusätzlichen Investitionen auch lohnen.

Es geht jedoch nicht nur um ein bisschen Solarkraft hier und ein wenig Windenergie dort. Es geht darum, wie weit Konzerne wie E.ON oder RWE in der Lage sind, zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen. Unternehmen dieser Größenordnung müssen wissen, dass die Zukunft der Energieversorgung nicht einzelnen großen Energiekonzernen gehören kann. Hier müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden, denn wer es mit der Förderung Erneuerbaren Energien wirklich ernst meint und weiter mitspielen will, muss die dezentrale Energieversorgung voranbringen.

Den Ökostromanbietern werden die Türen eingerannt. Das ist gut. Der nächste Schritt muss nun sein, weniger Strom zu verbrauchen. Die Bereitschaft, sich mit schlichtem Stromsparen für den Umweltschutz zu engagieren, muss zum Umweltbewusstsein dazugehören. Sich mit Ökostrom freizukaufen, wird leider nicht ausreichen. Es ist unglaublich, wie viel Energie alleine durch unsere Rollladenkästen ins Nirgendwo hingleiten.

Statt Lösungen zu bieten haben es sich jedoch einige politische Mitbewerber zur Aufgabe gemacht, protestierenden Menschen den Dagegen-Stempel aufzudrücken. Denen kann ich nur zurufen: „Die Zeiten haben sich geändert!" Die Leute gehen auf die Straße, gründen Bürgerinitiativen und Interessengemeinschaften.

Auch das wird zu einer erfolgreichen Energiewende dazugehören müssen. Wer, wenn nicht die Politik, sollte es sich zur Aufgabe machen, die Menschen bei dieser wichtigen Entscheidung mitzunehmen. Es gemeinsam anzupacken. Wie wollen wir die Menschen davon überzeugen, wenn wir ihnen nicht zuhören? Wenn wir nicht bereit sind, vernünftige Kompromisse auszuhandeln? Es gibt noch viel zu tun! Alleine klappt's jedoch nicht.